ich bin dann mal raus

mit diesem spruch wirbt eine große outdoormarke. doch ist der satz „ich bin dann mal raus“ mehr als nur ein plumper werbespruch. ich denke, es ist ein lebensratgeber.

gerade in unseren hektischen, turbulenten zeit ist es besonders wichtig, „mal raus“ zu sein. kein handy das klingelt, keine facebooknews, keine schlagzeilen über börsencrashes, verrückte präsidenten oder amoklaufende innenminister.

jeder, wirklich jeder sollte sich manchmal die zeit nehmen, für sich zu sein. sei es eine handyfreie stunde zuhause, einen spaziergang im wald oder so wie ich, eine zweitägige bergtour im höllengebirge.

einfach mal am freitag um 11 im büro schluss machen, ein gutes mittagessen zuhause mit den liebsten und dann gemütlich mit der seilbahn auf den gut 1.500 meter hohen feuerkogel schweben. kurz zu fuss durchs skigebiet und dann mit den schneeschuhen in richtung riederhütte auf 1.760 meter. mit jedem schritt wird der trubel leiser, die landschaft unberührter und der kopf freier. laut wetterbericht hab‘ ich mir nicht gerade das perfekte wochenende für diese unternehmung ausgesucht, doch wie so oft bestätigt sich, „wenn engel reisen, …“

tiefblauer himmel, knackige – 10 grad, 3 meter feinster pulverschnee – winter kann doch so schön sein.

nach knapp eineinhalb stunden erreiche ich dann meinen schlafplatz für diese nacht, den winterraum der aktuell unbewirtschafteten riederhütte. alle befürchtungen, dass nach dem langen winter kein brennholz mehr da ist, oder der winterraum mit einer gruppe trinkfreudiger tschechen belagert ist zerschlagen sich gott sei dank.

nachdem ich die eingangstür vom schnee freigeschaufelt hab‘, setz‘ ich mich erst einmal auf die holzbank an der hüttenwand und genieße die ruhe um später noch der sonne von einem kleinen hügel direkt neben der hütte beim untergehen zuzusehen. unter mir ein meer aus nebel über mir der tiefblaue mit sternen verzierte winterhimmel. als ich vor kälte meine finger und zehen nicht mehr spüre ist es zeit, zur hütte zurück zu kehren und den ofen auf betriebstemperatur zu bringen.

mein mitgebrachtes bier hat die optimale trinktemperatur von knapp über null grad erreicht, die würstel dampfen vor sich hin – ein gemütlicher abend kann beginnen.

nach einem wohlverdienten verdauungsschnaps lese ich im hüttenbuch, dessen erster eintrag aus dem jahr 1976 stammt – einer zeit lange vor handys und facebook – nur verrückte präsidenten gab’s damals auch schon.

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